Vortragsreihe „Ethische Aspekte aktueller Zeitfragen“

Die Hochschule Esslingen lädt im Sommersemester 2018 wieder alle Studierenden sowie die interessierte Öffentlichkeit zur Vortragsreihe „Ethische Aspekte aktueller Zeitfragen“ ein. 

Start der Reihe: 13. März 2018

Die Vorträge finden jeweils von 17:30 Uhr - 19.00 Uhr statt.

Veranstaltungsort:

Hochschule Esslingen, Campus Flandernstraße

Flandernstraße 101, 73732 Esslingen

Hörsaal 5

Bitte beachten Sie die Zeit- und Ortsangaben zu den jeweiligen Veranstaltungen, da diese im Einzelfall abweichen können. 

Auch die Veranstaltungsreihe Zukunftskino im Kommunalen Kino Esslingen wird im Sommersemester 2018 wieder jeweils mit Gespräch danach stattfinden. Die Termine:

05. April: Free Lunch Society
03. Mai Reseba - The Dark Wind
07. Juni: Die Grüne Lüge 


Hinweis zum Studium Generale:

Die Reihe kann auch im Rahmen des Studium Generale belegt werden Anforderungen zum Leistungsnachweis

März 2018

13. März 2018

Einführung

20. März

Netzfeminismus - Aktivismus on- und offline - Nadia Shehadeh, Soziologin, Bloggerin

Seit einigen Jahren hat sich in Deutschland vor allem durch Blogs und Online-Formate eine lebendige, diverse, feministische Szene entwickelt, deren Einfluss sowohl online als auch offline (z.B. durch Aktionen wie den "Slutwalks" als auch den praktischen Einsatz von Feministinnen z. B. im Rahmen von Workshops und Beratungen) spürbar ist. Netzfeminismus ist nicht mehr nur ein Phänomen, das online stattfindet, sondern seine Auswirkungen sind mittlerweile auch analog wirksam. Im Vortrag soll es darum gehen, aufzuzeigen, wie aus einem Internetphänomen Implikationen für die Praxis entstanden.

Nadia Shehadeh ist Soziologin und schreibt auf ihrem Blog shehadistan, aber auch auf Mädchenmannschaft und JorZine. 

27. März      

Solidarität braucht ein Fundament - ethische Perspektiven auf das Bedingungslose Grundeinkommen - Prof. Dr. Ute Fischer, Fachhochschule Dortmund

D as Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) hat inzwischen eine steile Karriere hingelegt. Von einer revolutionären Idee einiger Vordenker über eine größere Diskussion im Zuge der Einführung von "Hartz IV" in den Zweitausender Jahren hat es das BGE in Schulbücher, Talkshows und wenige Parteiprogramme und Koalitionsverträge geschafft. Was ist also dran an der Idee, allen Bürgerinnen und Bürgern jeden Monat Geld auszuzahlen, ohne dass sie dafür irgendetwas unternehmen oder lassen müssen? Der Vortrag beleuchtet diesen alternativen Ansatz der Sozialpolitik insbesondere unter der Frage, wie ein BGE die Gesellschaft, ihre Vorstellungen von gutem und richtigem Leben, ihre Bedingungen für das Handeln des Einzelnen sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt verändern würde. 

April 2018

3. April 

Gruppen, Solidarität und die Idee der Gerechtigkeit: Einblicke aus Sens Capability-Ansatz - Dr. Ortrud Leßmann, Universität Hamburg

D er Capability-Ansatz Amartya Sens hebt auf die Freiheit des Individuums ab und wird immer wieder als "individualistisch" kritisiert. Doch ist das Individuum bei Sen durchaus eingebettet in die Gesellschaft, und die Mitgliedschaft in verschiedenen Gruppen ist Grundlage seiner Identität. Solidarität bringt Sen eng mit der Vorstellung in Verbindung, sich für andere einzusetzen, ihnen eine Stimme zu geben. Dies setzt sowohl Verbundenheit mit diesen anderen voraus als auch eine ihnen gegenüber privilegierte Stellung. Solidarität ist eine Art, unvollkommenen Pflichten (Kant) nachzukommen und so zu Gerechtigkeit beizutragen.         

10. April   Bitte beachten: Beginn 17 Uhr!

Koalitionen des Überlebens. Über die Un/Möglichkeit von Solidarität - Prof. Dr. Sabine Hark, TU Berlin

Hass, Verletzung und Gewalt prägen zunehmend das gesellschaftliche Miteinander. Neue Formen der Sozialität müssen gefunden werden, um dagegen zu steuern. Vor diesem Hintergrund fragt Sabine Hark im Vortrag nach Quellen, Möglichkeiten und Herausforderungen für queere Koalitionen im 21. Jahrhundert. Sie rückt dafür den Begriff der Verletzbarkeit in den Vordergrund, denn es ist gerade die ungleich verteilte Verletzlichkeit, die uns trennt und doch zugleich den vielversprechenden Schauplatz für neue Allianzen darstellt. Wenn das Ziel ist, eine Welt zu erfinden, in der die Unterschiedlichkeit aller Menschen, auch in ihrer Körperlichkeit, eine Gemeinschaft produzieren kann, so gilt es zunächst, ein kritisches Wissen davon zu produzieren, wie Gewalt gegen manche Körper gerichtet wird und nicht gegen andere. 

17. April

"Grandhotel-Cosmopolis". Solidarisches Zusammenleben und Möglichkeiten der Teilhabe aus ethischer Perspektive - Peter Fliege

Das "Grandhotel-Cosmopolis" wurde 2011 durch ein Team von Kulturschaffenden und Aktivistinnen ins Leben gerufen. Das Projekt ist eine neue modellhafte Form einer Flüchtlingsunterkunft in Kombination mit einem soziokulturellen Zentrum in Augsburg mit Künstlerateliers, Bürgergaststätte, Café und Hotel. Ein wesentliches Ziel ist es, engagierten Menschen aus der Stadt ein Angebot zur Ausgestaltung des Grandhotels zu machen. Das Grandhotel soll von allen Beteiligten als Projekt erlebt werden, in dem das Versprechen demokratischer Teilhabe in einem Vorhaben, trotz dessen Komplexität, auch tatsächlich eingelöst wird. 

24. April

Zwischen Drinnen und Draußen - Sozialethische Betrachtungen zur gesellschaftlichen Position von Hartz IV-Beziehenden - Dr. Andreas Hirseland, IAB Nürnberg

Für viele Kommentatoren stellten die Hartz-Reformen einen wohlfahrtsstaatlichen Paradigmenwechsel dar, verbunden mit der Befürchtung einer gesteigerten sozialen Ausgrenzung von Hilfebedürftigen. Der Vortrag befasst sich mit einigen Legitimationsmustern der Sozialreformen und konfrontiert diese mit Erfahrungen und Sichtweisen von Hilfebeziehenden. Diskutiert wird die Frage nach den Grenzen der Individualisierung sozialer Verhältnisse in und durch Hartz IV. Dr. Andreas Hirseland, stellvertretender Leiter des Forschungsbereichs "Erwerbslosigkeit und Teilhabe" am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, forscht dort seit Einführung der Sozialreformen zu Lebenszusammenhängen und Teilhabechancen von Grundsicherungsbeziehenden.

Mai 2018

01. Mai 

Feiertag

08. Mai

"Meine Sorge ist die Sorge um den Anderen". Solidarität im Werk Emmanuel Lévinas - Prof. Dr. Sandro Bliemetsrieder, Hochschule Esslingen

Emmanuel Lévinas entwickelte aus seinen furchtbaren Erfahrungen im Nationalsozialismus heraus eine neue Sicht innerhalb der Philosophie, weg von einer Sorge um das eigene Sein, hin zu einer Sorge um den Anderen. Hierin findet Lévinas den Sinn der Sozialität selbst, welcher jeglichem Wissen und Verstehen können sinnlogisch vorauseilt. Solidarität kann dabei als eine unbedingte Verantwortung für den Anderen verstanden werden, für die ich mich frei entscheiden muss. 

15. Mai    Bitte beachten: Die Veranstaltung findet in der Aula statt!

Ethik und Recht im Pflegeheim: "Wenn die Sprache geht..." Interdisziplinäres Zusammenwirken von Pflegekräften, ZahnärztInnen und Betreuerinnen am Beispiel der Mundgesundheit in Pflegeheimen

Das Thema Mundgesundheit im Pflegeheimen erscheint nur auf den ersten Blick als ein Randthema. Sobald der Zusammenhang zwischen Mundgesundheit, möglichst langer Aufrechterhaltung der Sprechfähigkeit sowie der guten Nahrungsaufnahme hergestellt ist, wird die Bedeutung für die Selbstbestimmung im Alter überaus deutlich. Neben berufsethischen Fragen steht somit auch die rechtliche Umsetzung der UN-BRK im Vordergrund.

Vortrag und Diskussion mit Sibylle Wilczek, Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit für die Stadt Heidelberg und den Rhein-Neckarkreis, Dr. med. dent. Guido Elsäßer, niedergelassener Zahnarzt, Prof. Dr. iur Alexander Schmid, Fakultät SAGP, Hochschule Esslingen

22. Mai

Pfingstferien

29. Mai

Vorbereitungsklassen für neuzugewanderte Kinder und Jugendliche - Schutzraum oder Segregation? - Prof. Dr. Juliane Karakayali, Evangelische Hochschule Berlin

Mit der verstärkten Einwanderung seit 2015 und den Folgejahren stieg auch die Zahl der neuzugewanderten Kinder und Jugendlichen ohne Deutschkenntnisse an Schulen in Deutschland. In Berlin werden diese Kinder und Jugendlichen zum Teil in separierten, temporär angelegten Willkommensklassen unterrichtet. Der Vortrag zeigt anhand der Ergebnisse einer organisationstheoretisch informierten empirischen Untersuchung an Berliner Grundschulen auf, wie Lehrkräfte in Ermangelung formaler Vorgaben für die Gestaltung dieser Klassen eigene Routinen entwickeln.

Juni 2018

05. Juni

Erinnerungskultur, Politik und Ethik - das Beispiel Ukraine - Juliane Niklas

Unterschiedlichen Ansätzen zufolge haben wahlweise der Westen, die EU, Putin, die NATO, die USA oder auch Außerirdische mit Beginn der Proteste auf dem Majdan Ende 2013 einen Keil in die ukrainische Gesellschaft getrieben und einen Krieg angezettelt. Hier wird jedoch übersehen, dass die Bevölkerung sich längst an der Frage gespalten hat, ob die Ukraine eigentlich Opfer der Stalinismus oder Sieger über den deutschen Faschismus ist beziehungsweise ob der "Unabhängigkeitskämpfer" Stepan Bandera als Volksheld oder als Nazikollaborateur zu gelten hat und ebenso, ob die ukrainischen Kämpfer in der Ostukraine "Faschisten" oder "Antifaschisten" sind. 

Die Problematik der Deutungshoheit der Sprache lässt sich am Beispiel Ukraine ebenso aufzeigen wie die oft fehlende Verbindung zwischen philosophischer Konzeption und konkreter politischer Haltung.

12. Juni 

Der feministische Kampf in der Türkei aus ethischer Perspektive - Sibel Schick

Seit "Gezi" sichtbarer, seit dem Putschversuch stärker: Während die Repression auf marginalisierte Gesellschaftsgruppen wächst, wächst auch der Widerstand in der Türkei. Vortrag und Diskussion mit der Autorin Sibel Schick (taz, Huffington Post) über die feministischen und LGBTQIA-Bewegungen und ihre Widerstandsstrategien in turbulenten Zeiten.

19. Juni

Beratung und Unterstützung als ethischer Auftrag. Die Arbeit der Antidiskriminierungsstelle in Esslingen - Alexa Conrad, Markus Textor

Sozialpädagoginnen treffen Menschen, deren Probleme oft zutiefst in Diskriminierung wurzeln. Wir werden vorstellen, was Diskriminierung ist, wie man sie erkennen kann und was wir dagegen tun können. Insbesondere werden wir die Antidiskriminierungsstelle Esslingen vorstellen, wo alle, die von Diskriminierung jeglicher Art betroffen sind, Unterstützung und Beratung bekommen können.